Uruguay: Forschungsüberblick zum deutschsprachigen Exil (Leticia Hornos Weisz)

Auf den Fotos sieht man die Theatergruppe "Die Komödie" auf Tour in Brasilien zwischen 1942 und 1945. Fotos im Besitz der Familie Okret. ©Edgar Sichel.

Im Rahmen von Global Archives erstellt Frau Leticia Hornos Weisz einen Forschungsüberblick zum deutschsprachigen Exil in Uruguay. Das Land am Río de la Plata nahm zwischen 1933 und 1945 mehrere tausend Emigranten auf, die sich vor allem in der Hauptstadt Montevideo ansiedelten und dort – auch im Austausch mit dem benachbarten Buenos Aires – ein reges kulturelles Leben entwickelten.

Während Uruguay zu Anfang des Jahrhunderts günstige Aufnahmebedingungen bot, verschärfte das Land seine Einreisebestimmungen in den 1930er Jahren unter der Präsidentschaft von Gabriel Terra. Dennoch gelangten zahlreiche Exilanten – meist auf Umwegen – in das kleinste spanischsprachige Land Südamerikas.

Neben der Gründung mehrerer (konkurrierender) antifaschistischer Organisationen, darunter der Freie Deutsche Klub (FDK), das Andere Deutschland (DAD) sowie das Deutsche Antifaschistische Komitee zur Unterstützung der Sowjetunion (DAK), war insbesondere der von Hermann P. Gebhardt 1938 gegründete und bis in die 1990er Jahre bestehende deutschsprachige Radiosender La Voz del Día (Die Stimme des Tages) von entscheidender Bedeutung für die Vernetzung der Exilanten. Der Rechtsanwalt Gebhardt, der von den Nazis Berufsverbot erhielt und 1937 nach Montevideo emigrierte, arbeitete im Exil vor allem als Journalist und war unter anderem Mitarbeiter des Argentinischen Tageblatts.

Im Argentinischen Tageblatt veröffentlichte auch der in Oberösterreich geborene Journalist und Theaterkritiker Fred Heller (1889-1949), der über Italien und die Tschechoslowakei nach Uruguay emigriert war. Gemeinsam mit dem Schauspieler, Regisseur und Theaterdirektor Albert Maurer (1890-1969) gründete er in Uruguay die Theatergruppe Die Komödie, deren Aufführungen von La Voz del Día organisiert wurden und die mit der Freien Deutschen Bühne Buenos Aires in Kontakt stand. Teilnachlässe von Paul Gebhardt und Fred Heller befinden sich im Paul Walter Jacob Archiv (PWJ) der Walter A. Berendsohn Forschungsstelle für deutsche Exilliteratur der Universität Hamburg.

Eine immens wichtige Rolle für die Netzwerke deutschsprachiger Exilanten in Uruguay spielte auch Balder Olden (1882-1949). Der Schriftsteller und Journalist emigrierte nach der Machtergreifung, lebte zunächst in Argentinien, dann in Uruguay und arbeitete als Literaturkritiker für die deutsche Exilpresse. Sein Nachlass, der sich in Teilen im Deutschen Literaturarchiv Marbach befindet, enthält neben Typoskripten und seiner Korrespondenz auch wichtige Dokumente des Exils wie Adressbücher, Ausweise oder Pressemeldungen zu im Exil gehaltenen Vorträgen.

Der Forschungsüberblick gibt einen Einblick in das bislang noch wenig erforschte deutschsprachige Exil in Uruguay. Er stellt die biographischen Daten und Nachlässe der Personen dar, die am lokalen kulturellen Leben mitgewirkt haben – hauptsächlich in der Theaterszene, aber auch in den Bereichen der Musik, des (Kultur-)Journalismus und der Literatur. Das Material ist zerstreut und befindet sich in unterschiedlichen (uruguayischen) Archiven, viele der Dokumente noch in Privatbesitz. Eine Auswahlbibliografie zum Thema des deutschsprachigen Exils in Uruguay finden Sie hier.