Übersetzungsforschung am DLA (Elmar-Tophoven-Mobilitätsfonds)

Foto: Jens Tremmel/DLA-Marbach

Roberta Colbertaldo wird für ihre Forschung am Deutschen Literaturarchiv Marbach aus dem Elmar-Tophoven-Mobilitätsfonds durch die Robert Bosch Stiftung und den Deutschen Übersetzerfonds gefördert. Sie studierte Literatur- und Editionswissenschaft in Mailand (B.A. 2008) und Heidelberg (M.A. 2012). 2016 promovierte sie in Ferrara mit einer Doktorarbeit zu Carlo Emilio Gadda. Außerdem war sie Gastwissenschaftlerin an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der Université Fribourg in der Schweiz sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Carlo Emilio Gadda (1893–1973) ist einer der wichtigsten Autoren der italienischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Die sprachliche Vielschichtigkeit und die zahlreichen Anspielungen in seinen Texten sowie ihr fragmentarischer Charakter haben aber die Anfertigung von Übersetzungen und folglich die Verbreitung außerhalb Italiens besonders schwierig gemacht. Seit den 1960er Jahren – nach dem großen Erfolg seiner Romane Die gräßliche Bescherung in der Via Merulana und Die Erkenntnis des Schmerzes und der Auszeichnung durch einige wichtige italienische Literaturpreise (1953: Viareggio Preis; 1958: Verlegerpreis) und den internationalen Verlegerpreis (1963) – haben auch Übersetzerinnen, Übersetzer und ausländische Verlage angefangen, sich für sein Werk zu begeistern.

Gaddas Aufnahme in den deutschsprachigen Raum ist in erster Linie den Übersetzungen von Toni Kienlechner und Heinz Riedt und der Unterstützung durch Hans Magnus Enzensberger zu verdanken. In diesen Übersetzungen, die den expressionistischen Charakter der Ausgangstexte hervorheben, sind Gaddas Werke in Deutschland gelesen worden. Parallel zu der in den letzten Jahren zunehmenden Rezeption in der deutschen Italianistik, die auf dem italienischen Original basiert, findet also eine deutschsprachige Rezeption statt, die von der Veröffentlichung seiner Texte zuerst in der Zeitschrift Merkur, dann bei den Verlagen Piper und Suhrkamp sowie schließlich bei Wagenbach geprägt ist.

Das Projekt beruht auf zahlreichen Briefwechseln, Notizen und Übersetzungsproben aus den Verlagsnachlässen im Deutschen Literaturarchiv Marbach, die es ermöglichen, die Haltung von deutschen Übersetzerinnen, Übersetzern und Verlagen gegenüber Gadda zu untersuchen.