Zeitkapsel 48: Thomas Manns brasilianische Stimme: Herbert Caro – im Spiegel des Archivmaterials von Susan Sontag

Im Rahmen der Initiative Global Archives des Deutschen Literaturarchivs Marbach wurde der Nachlass von Herbert Caro am Instituto Cultural Judaico Marc Chagall in Porto Alegre (Brasilien) erschlossen. In der Reihe »Zeitkapsel« begibt sich Lydia Schmuck, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Literaturarchiv, im Gespräch mit dem Göttinger Literaturwissenschaftler Kai Sina, der kürzlich die Studie »Susan Sontag und Thomas Mann« (Wallstein Verlag 2017) publiziert hat, auf die Spuren Thomas Manns. In der Gegenüberstellung von Archivmaterial werden die unterschiedlichen Perspektiven des Übersetzers Caro und der berühmten Intellektuellen Sontag auf den Jahrhundertautor eingehend erörtert.

Im Jahr 1949 besucht die kaum siebzehnjährige Studentin Susan Sontag den vierundsiebzigjährigen Thomas Mann in seinem kalifornischen Exil. Wie Kai Sina zeigt, ist der Besuch für Sontag der Anfangspunkt einer lebenslangen und äußerst lebendigen Auseinandersetzung mit dem stets auch kritisch betrachteten Vorbild. Ihre Auffassung moderner Autorschaft und Poetik, ihr Nachdenken über das Medium Fotografie und über »Krankheit als Metapher« haben ihre Wurzeln in der Lektüre seiner Werke sowie in der Begegnung mit ihm selbst. Noch ein Jahr vor ihrem Tod bezeichnet Sontag den »Zauberberg« als das wichtigste Buch ihres Lebens.

Dienstag, 26. September 2017, um 19.30 Uhr im Berthold-Leibinger-Auditorium (Literaturmuseum der Moderne)