China

Den Auftakt zu einer Pilotphase des Projektes Global Archives China bildete ein deutsch-chinesischer Workshop im Deutschen Literaturarchiv Marbach, gefördert vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Baden-Württemberg. Im Mittelpunkt stand, ausgehend von den Marbacher Beständen, die Emigration von Künstlern und Wissenschaftlern nach China, insbesondere nach Shanghai, in den 1930er und 1940er Jahren. Nach Shanghai, für das zeitweilig keine Visumsbeschränkungen galten, kamen, unterstützt von internationalen Hilfsorganisationen, ab 1933, in größerer Zahl erst nach 1938, aus Deutschland und Österreich vertriebene Jüdinnen und Juden sowie eine Reihe kommunistischer Flüchtlinge.

Für die meisten Emigrantinnen und Emigranten war Shanghai nur ein Transitort. Viele verließen China Ende der 1940er Jahre in Richtung Amerika, einige gingen auch in die DDR. Zu den politisch und kulturell engagierten Emigranten, die später in die DDR gingen, gehören Alfred Dreifuß (1902-1993) und Walter Czollek (1907-1972). Von dem Dramaturgen Alfred Dreifuß und dem Übersetzer und Verleger Walter Czollek befindet sich im DLA Korrespondenz aus den Jahren in der DDR, etwa mit Mary Tucholsky oder dem Suhrkamp-Verlag. Des Weiteren liegen hier Briefe des Literaturwissenschaftlers und Journalisten Fritz Friedländer, der aus Shanghai, später aus Melbourne, mit dem nach New York ausgewanderten Kurt Pinthus korrespondiert, die Situation der jüdischen Emigration oder die Emigrantenliteratur erörternd.

Eine Ausnahmefigur unter den nach China emigrierten Künstlern und Wissenschaftlern, deren Werk auch von der Exilforschung bisher nur am Rande behandelt wurde, ist die Schriftstellerin Klara Blum, die über Moskau nach China kam. Ein Teilnachlass Klara Blums befindet sich im DLA, darunter wichtige Dokumente ihrer Auseinandersetzung mit China, wo sie in den 1940er Jahren Romane und Lyrik verfasste sowie deutsche Sprache und Literatur unterrichtete.

Eine Auswahlbibliographie zur Emigration nach China findet sich hier.