Forschungsbezogene Erschliessung in multilateralen Kooperationen ist das Anliegen der Initiative Global Archives.

Widmet sich die Initiative Global Archives der forschungsbezogenen Erschließung von Beständen weltweit, dann aus der Grundüberlegung heraus, dass im 21. Jahrhundert neben die bekannte Form des Archivs auf Dezentralität und Digitalisierung setzende globale Archivformen treten. Arbeiten Literaturwissenschaft und Ideengeschichte nicht vornehmlich nach der Logik des Bestands, sondern der Logik von Frage und Antwort, Problem und Lösung, so müssen sie die Architektur von Sammlungen und deren Geschichte erfassen, um solche Linien über die Sammlungsgrenzen hinaus verfolgen zu können.

Zentralisierte Archive geraten aus sich heraus an ihre systematischen Grenzen durch globale Linien, die sich aufgrund eines provenienzorientierten Sammlungsaufbaus quer durch die Bestände ziehen. Während es also Archive zunehmend dezentral zu denken gilt, verweisen umgekehrt zentrale Archive auf die Globalität der in den Beständen verborgenen Ideen, Einflüsse und Routen.

Die Briefe und Entwürfe, die Manuskripte und Skizzen, die literarische, philosophische oder politische Autoren verschicken, sind weder in die Grenzen des Territoriums zu bannen, in dem sie abgefasst werden, noch in den Sammlungskriterien des Archivs einzuhegen, in dem sie aufbewahrt werden. Dies betrifft in besonderer Weise die Bestände des von Exil und Migration geprägten 20. und 21. Jahrhunderts. Die Standortreflexion ist deshalb für die Archivarbeit zentral: Was wird wo überliefert, was wo ausgeblendet? Wie verändert sich das Narrativ, wenn nicht nach Einzelorten und Protagonisten, sondern nach ideengeschichtlichen Sicht- und Konfliktachsen gefragt wird? Der eigene Stand- und Schreibort, die eigenen Interessen und Perspektiven werden, so gefasst, intensiver reflektierbar.

2012 begann die Initiative Global Archives mit ersten kooperativen Erschließungsprojekten in Israel, 2015 wurde mit Erschließungsprojekten in Brasilien begonnen, Pilotprojekte und Sondierungen laufen zudem in der Türkei, in China, in Indien und in Italien. Zu den Eckpfeilern aller Global-Archives-Projekte gehören neben der (1) Verbindung von Forschung und Erschließung die (2) Dezentralität, die (3) Nachwuchsförderung und die (4) multinationale Kooperation.

Vor Ort koordinieren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projektes die Zusammenarbeit mit lokalen Sammelstätten und Universitäten sowie die Einbeziehung des wissenschaftlichen Nachwuchses in die Erschließungs- und Forschungsarbeiten. Zusätzlich vergibt das Deutsche Literaturarchiv in Verbindung mit seinen Forschungspartnern Global-Archives-Stipendien, die dem wissenschaftlichen Nachwuchs die Möglichkeit geben, archivbezogene Forschungsprojekte für einen begrenzten Zeitraum in den beteiligten Archiven zu realisieren. Daneben finden regelmäßig Archiv-Workshops für die an den Projekten beteiligten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler im DLA statt.