Rio de Janeiro, Brasilien: Die Sammlung Koogan in der Brasilianischen Nationalbibliothek (Manuela Thoma)

Bild: Stefan Zweig, Application For Nonimmigrant Visa, Biblioteca Nacional do Brasil, Rio de Janeiro.
Bild: Stefan Zweig, Application For Nonimmigrant Visa, Zweite Seite, Biblioteca Nacional do Brasil, Rio de Janeiro.

Im August 1936 reiste Stefan Zweig zum ersten Mal nach Südamerika, wo er zu dieser Zeit der meistgelesene  europäische Autor war. Auf dem Weg zum internationalen PEN-Kongress in Argentien besuchte er zuvor Brasilien, wo er am 21. August 1936 in Rio de Janeiro ankam. Hier traf er seinen brasilianischen Verleger Abrahão Koogon, der diesen ersten Brasilienaufenthalt Zweigs organisiert hatte, erstmals persönlich, und zwischen dem Autor und seinem brasilianischen Verlger entwickelte sich über die Jahre eine tiefe Freundschaft.

Koogon fungierte für Stefan Zweig nicht nur als Verleger, sondern war dem Ehepaar Zweig auch bei seinen Reiseplanungen eine große Stütze, sowohl im praktischen Sinne, die Reiseorganisation und das Knüpfen von Kontakten betreffend, als auch im persönlichen und freundschaftlichen Sinne. Es ist fraglich, ob das Ehepaar Zweig sich ohne Koogans Hilfe und Vermittlung überhaupt für eine Emigration nach Brasilien entschieden hätte, beziehungsweise ob diese überhaupt möglich gewesen wäre. Am 27. August 1941 kamen Stefan und Lotte Zweig an Bord der S.S.Uruguay in Rio de Janeiro an, und drei Wochen später zogen sie in ein kleines, von Koogan für sie angemietetes Haus in dem kleinen Ort Petrópolis in den Bergen vor Rio de Janeiro.

Die Sammlung Koogan, welche sich in der Brasilianischen Nationalbibliothek in Rio de Janeiro befindet, enthält zahlreiche Dokumente, die Abrahão Koogan der brasilianischen Nationalbibliothek vermachte.

Neben der privaten Korrespondenz von Stefan, Friderike und Lotte Zweig mit Abrahão Koogan befindet sich in diesen Sammlungen auch die juristische Korrespondenz des Verlages Guanabara bezüglich der brasilianischen Ausgaben von Stefan Zweigs Romanen und Aufsätzen. Außerdem finden sich dort neben Dokumenten wie den Pässen und Heiratsurkunden der Zweigs auch die juristischen Dokumente zu Stefan und Lotte Zweigs Tod und zur Nachlassverwaltung ihres Besitzes. Des Weiteren beinhalten die beiden Sammlungen Rechnungen, Bankauszüge und ähnliche Dokumente des Verlages, die Zweigs Aufenthalte in Brasilien und letztlich seine Emigration dorthin dokumentieren. 

Neben Zweigs Reiserouten und Reiseplanungen lassen sich in seinem Briefwechsel mit Koogan seine persönliche Situation sowie seine Haltung zu den historischen und politischen Entwicklungen in Europa nachzeichnen. Zweig diskutierte mit Abrahão Koogan über die Thesen, die er in „Brasilien. Ein Land der Zukunft” ausarbeitete, und vertraute ihm seine Sorgen um das Zeitgeschehen an.