Istanbul, Türkei: Traugott Fuchs Cultural and Historical Archive (Moritz Meutzner)

Der Philologe, Dichter und bildende Künstler Traugott Fuchs (1906–1997) emigrierte als Assistent auf Empefehlung Auerbachs und Einladung Spitzers 1934 freiwillig aus Nazi-Deutschland in die Türkei. Als Wissenschaftler an der 1933 neueröffneten Istanbul Universität (Istanbul Üniversitesi), die nach der Gründung der türkischen Republik aus der Osmanischen Hochschule Darülfünun hervorgegangen war, trug Fuchs entscheidend zum Aufbau der Germanistik in der jungen Türkei bei und lehrte später am amerikanischen Robert College Istanbul.

Während die Mehrzahl seiner deutschen Kollegen das türkische Exil hinter sich ließen, erklärte Fuchs die Türkei bald zu seiner Wahlheimat, in der er bis zu seinem Tode im Jahr 1997 leben und arbeiten sollte. In Istanbul hinterließ Fuchs ein beeindruckendes Werk, bestehend aus Vorlesungsnotizen, Übersetzungen, internationalen Korrespondenzen sowie zahlreichen Zeichnungen und Malereien.

Als intellektueller Anziehungspunkt für seine Schüler und Freunde etablierte Fuchs ein bemerkenswertes Netzwerk zwischen Intellektuellen in der Türkei, in Deutschland und in den USA und trug auf besondere Weise zum interkulturellen Austausch zwischen der Türkei und Deutschland bei. Fuchs prägte als Gelehrter und Künstler nicht nur die Tradition deutscher Geistesgeschichte in der Türkei, sondern setzte sich als Interpret und Übersetzer zahlreicher türkischer Autoren auch mit den Bedingungen der türkischen Moderne auseinander.

In Anbindung an die existierende Forschung zu Traugott Fuchs von deutscher, türkischer und amerikanischer Seite engagiert sich Moritz W. Meutzner in Kollaboration mit der Abteilung für Geschichte der Bosporus Universität Istanbul für die weitere Bearbeitung des Archivbestandes des Traugott Fuchs Cultural and Historical Archive. Sein Forschungsvorhaben als Stipendiat des Deutschen Literaturarchivs Marbach ist eingebunden in das German Studies-Graduiertenprogramm an der University of Minnesota und wird betreut von Professor Leslie Morris.