Galina Potapova forscht am DLA (Elmar-Tophoven-Mobilitätsfonds)

Galina Potapova, 1967 in St. Petersburg geboren, studierte „Russische Sprache und Literatur“ in St. Petersburg und „Deutsche Sprache und Literatur“ in Hamburg. Von 2015 bis 2017 war sie mit unterschiedlichen Projekten Stipendiatin der Russischen Stiftung für Geistes- und Sozialwissenschaften, der Österreichischen Gesellschaft für Literatur sowie der Deutschen Schillergesellschaft. Zurzeit ist sie als freie Wissenschaftlerin, Übersetzerin und Autorin in St. Peterburg und Hamburg tätig.

Für die Erforschung der Nachlässe der deutschbaltischen Übersetzer Sigismund von Radecki und Henry von Heiseler wird sie 2018 aus dem Elmar-Tophoven-Mobilitätsfonds der Robert Bosch Stiftung und des Deutschen Übersetzerfonds gefördert.

Projektskizze:

Die Feststellung, dass den deutschsprachigen Literaten aus dem Baltikum und St. Petersburg ein großes Verdienst in der Geschichte der Übersetzung und Popularisierung russischer Autoren zukommt, gehört seit langem zum festen Fundus der Erforschung kultureller Kontakte zwischen Russland und Deutschland. Im Rahmen meines aktuellen Projekts beschäftige ich mich mit den Nachlässen von Sigismund von Radecki (1891-1970) und Henry von Heiseler (1875-1928).

Sigismund von Radecki (1891-1970), seinerzeit ein sehr bekannter Essayist, widmete sich seit Anfang der 1920er-Jahre der Übersetzung russischer Dichter ins Deutsche. Radecki verstand sich in erster Linie als Puschkin-Übersetzer und entwickelte sogar seine eigene, auf Puschkin zentrierte Konzeption der russischen Literaturgeschichte. Darüber hinaus übersetzte er in den 1930er-Jahren beinahe das gesamte literarische Œuvre von Nikolaj Gogol, und nach dem 2. Weltkrieg das gesamte dramatische Œuvre von Anton Tschechow.

Henry von Heiseler ist heute v.a. als Übersetzer von Puschkins Dramen und Gedichten bekannt. Er war aber auch selbst Dichter und gehörte dem Kreis um Stefan George an. Heiseler übersetzte nicht nur Puschkin, sondern auch einige wichtige Vertreter des russischen Symbolismus (Wjatscheslaw Iwanow, Fjodor Sologub) sowie mehrere Erzählungen von Nikolai Leskow, Fjodor Dostojewski, Iwan Turgenjew und vielen anderen.

In den beiden Nachlässen am DLA liegen zahlreiche Übersetzungsmanuskripte sowie auch dazugehörige Materialien (Notizen, Anmerkungen, Briefwechsel mit Verlegern und Übersetzerkollegen, Korrekturfahnen, nicht publizierte Vorträge usw.).

Ziel des Projekts ist es, auf der Grundlage handschriftlicher und dokumentarischer Materialien des DLA die Entstehungsgeschichte der von Henry v. Heiseler und Sigismund v. Radecki geleisteten Übersetzungen, d.h. ihren Weg von den ersten Entwürfen bis hin zum gedruckten deutschen Text nachzuverfolgen. Da sich in den beiden Nach­lässen Vorbereitungsmaterialien für die Übersetzung derselben russischen Original­texte finden, bietet sich eine gute Möglichkeit, zwei verschiedene Strategien im Umgang mit denselben russischen Originaltexten anschaulich zu rekonstruieren.