Das Frankfurter Institut für Sozialforschung: Nachlässe und Bestände (Marcel Müller)

Marcel Müller (Leipzig) recherchierte im Rahmen von Global Archives die verstreuten Nachlässe und Bestände der emigrierten und teils zurückgekehrten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Frankfurter Instituts für Sozialforschung. Im Fokus der Recherche standen dabei die weniger bekannten Intellektuellen. Wo die Nachlassdokumente  von Walter Benjamin oder Theodor W. Adorno liegen, ist bekannt, aber wo finden sich die Bestände des Ökonomen und HistorikersHenryk Grossmann oder des Soziologen und Sinologen Karl August Wittfogel?

1923 in marxistischer Tradition gegründet, etablierte sich das Institut für Sozialforschung in der Vorkriegszeit als Ort kritischer Reflexion gesellschaftlicher, politischer und kultureller Fragen. Intellektuelle wie Theodor W. Adorno, Walter Benjamin, Franz Borkenau, Erich Fromm, Henryk Grossmann, Julian Gumperz, Otto Kirchheimer, Leo Löwenthal, Kurt Mandelbaum, Herbert Marcuse, Franz Neumann, Friedrich Pollock, Karl August Wittfogel versammelten sich dort unter dem Direktorium Max Horkheimers (seit 1930, in der Nachfolge von Carl Grünberg).

Von 1932 bis 1941 erschien als Organ des Instituts die Zeitschrift für Sozialforschung (9 Jahrgänge). Das Institut wurde 1933 zwangsweise geschlossen und fand Exil an der Columbia University. 1951 kehrte es nach Frankfurt zurück: Zu den prominenten Rückkehrern gehörten Theodor W. Adorno und Max Horkheimer. Andere blieben in der Emigration: Wittfogel etwa lehrte seit 1947 in Washington, Grossmann übersiedelte in die DDR, unterrichtete an der Universität Leipzig, Herbert Marcuse erhielt 1954 eine Professur an der Brandeis University in Massachusetts. Eine Übersicht über die Nachlässe und Bestände findet sich hier.