Auerbach-Bibliothek in Marbach

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach hat den Kern der Bibliothek des bedeutenden Romanisten und Literaturtheoretikers Erich Auerbach erworben. Die Bücher wurden von dem in den USA lebenden Enkel Auerbachs, Claude Auerbach, übergeben. Auerbach, der sowohl Jura als auch Romanistik studiert hatte, avancierte zu einem der bedeutendsten Literaturwissenschaftler der Zwischen- und Nachkriegszeit. Sein eigenes Schicksal war von Flucht und Exil geprägt. Im Jahr 1936 floh er vor dem NS-Regime zunächst in die Türkei, wo er sein bedeutendes Werk „Mimesis“ ausarbeitete, später in die USA. Auerbach war ein Mittler zwischen den Kulturen, der sich bei Dante ebenso heimisch fühlte wie bei Flaubert und Thomas Mann und den Begriff der Weltliteratur entscheidend weiterentwickelte. Die Heimat des Philologen sei nicht die Nation, sondern die Erde, konstatierte er in seinem Aufsatz „Philologie der Weltliteratur“.

Insgesamt sind 616 Bände vorhanden. Dabei handelt es sich nicht um die gesamte Bibliothek, wohl aber um einen wichtigen Teil von Auerbachs Arbeitsbibliothek, der von seiner Ehefrau nach seinem Tod im Jahr 1957 aus unbekannten Gründen zurückgehalten wurde. Bereits 1960 war der Rest seiner Bibliothek an die University of Texas in Austin übergeben worden. Eine Liste des Harry Ransom Center gibt Auskunft über die in Auerbachs Bibliothek enthaltenen Titel. Die Bücher der Erich Auerbach Collection selbst befinden sich allerdings in der Collection Deposit Library, University of Texas at Austin; einige Bücher gingen in den allgemeinen Bibliotheksbestand über und sind nicht mehr separiert. Auf der Liste finden sich farbige Markierungen, mit denen diejenigen Bücher gekennzeichnet sind, die 1960 von Auerbachs Ehefrau zurückgehalten wurden.

Die Bibliothek wird aktuell erschlossen und kann, nachdem die notwendigen Maßnahmen zur Bestandserhaltung abgeschlossen sind, für die Forschung bereitgestellt werden.