Petrópolis, Brasilien: Stefan Zweigs brasilianische Bibliothek

Der Historiker und Zweig-Biograph Oliver Matuschek reiste im August 2015 mit Unterstützung des Deutschen Literaturarchivs Marbach nach Petrópolis, um im Rahmen eines Forschungsvorhabens zu Stefan Zweigs Bibliothek(en) den Bestand auf Provenienzmerkmale und Lesespuren zu untersuchen und zu bewerten. Die rund 70 Bände umfassende Exilbibliothek Zweigs befindet sich noch heute in der Biblioteca Central Municipal Gabriela Mistral in Petrópolis.

In Petrópolis bei Rio de Janeiro wollte Stefan Zweig, der im November 1941 seinen sechzigsten Geburtstag beging, einen Neuanfang wagen - was auch das Ansinnen mit einbezog, wieder eine Bibliothek aufzubauen. Und auch wenn dieser Bestand vom Umfang und Anspruch weit hinter Zweigs früheren Bibliotheken zurückblieb, sind doch einige sehr bemerkenswerte Stücke darin enthalten. Die meisten Bände seiner brasilianischen Büchersammlung vermachte Zweig nach seinem Freitod im Februar 1942 der Stadtbücherei von Petrópolis, deren damaliger Direktor José Kopke Froes dafür Sorge trug, dass die Bücher bibliographiert und mit einem Exlibris versehen wurden, das auf den illustren Spender und sein dramatisches Ende hinweist.

So lässt sich erahnen, was den Schriftsteller in den letzten Wochen seines Lebens beschäftigt haben mag, wie intensiv, beispielsweise, seine Lektüre der gesammelten Werke von Montaigne gewesen sein muss, deren Seiten er mit zahlreichen Anmerkungen versehen hat. Zusammen mit dem unvollendeten Manuskript einer Studie zu dem französischen Essayisten bietet der Montaigne-Band in Petrópolis hochinteressantes Quellenmaterial zu einem in der Zweig-Forschung bislang kaum erschlossenen Thema.

Die Ergebnisse seiner Reise stellte Oliver Matuschek am 1. Dezember 2015 in der 41. Zeitkapsel am DLA Marbach vor.

Die von Oliver Matuschek erstellte genaue Übersicht zu den Beständen der Exilbibliothek Stefan Zweigs in Petrópolis mit Angabe der Provenienzmerkmale und Lesespuren findet sich hier.