Nachlass Egon Schwarz in Marbach

Der Nachlass sowie Teile der Bibliothek des bedeutenden Literaturwissenschaftlers Egon Schwarz (1922–2017) wurden nach seinem Tod im Februar 2017 an das Deutsche Literaturarchiv Marbach übergeben. Bereits im Jahr 2011 hatte das DLA Marbach Teile seiner Korrespondenz und Manuskripte als Vorlass erhalten.

Exil und Exilliteratur prägten nicht nur Schwarz’ Forschungsinteressen während seiner Zeit als Literaturprofessor an der Harvard University und der Washington University, sie waren Bestandteil seiner Biographie. Als gebürtiger Wiener und Jude floh er im Jahr 1938 vor den Nationalsozialisten zunächst nach Prag und später über Frankreich nach Bolivien. In Lateinamerika erwartete ihn eine zehnjährige Wanderschaft durch Bolivien, Chile und Ecuador, während der er als Elektrikerlehrling, Bauarbeiter oder als Hilfskraft im archäologischen Museum seine materielle Existenz zu sichern versuchte. Es gelang ihm schließlich, sein Abitur in Ecuador abzulegen und an der Universität Rechts- und Sozialwissenschaften zu studieren. Seine Übersiedlung in die USA, zunächst als Deutschlehrer und als Student der Germanistik und Romanistik in Ohio, war der Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere und seiner theoretischen Auseinandersetzung mit Exilliteratur und vergleichender Literaturwissenschaft. Seine Verdienste für die Verbreitung deutschsprachiger Literatur in den USA und für die komparatistische Literaturforschung sind enorm. Er fungierte als wichtiges Scharnierglied zwischen deutschsprachiger und amerikanischer Wissenschaft. Aus seinen Korrespondenzen und Manuskripten lassen sich wichtige Teile des deutsch-amerikanischen Wissenstransfers rekonstruieren.

Die bereits katalogisierten Bestände können hier eingesehen werden. Die neu eingetroffenen Materialien werden aktuell gesichtet und katalogisiert. Ein Hinweis folgt an dieser Stelle.

Egon Schwarz' Tagebuch während seiner Zeit in Bolivien aus dem Jahr 1941, DLA Marbach.