Jerusalem, Israel: Bestände des Historischen Archivs der Hebräischen Universität Jerusalem 1918-1948

Bild: J.L. Magnes an Hugo von Hofmannsthal, 1928, HUJI, Historical Archives

In einer von der Gerda Henkel Stiftung geförderten Kooperation zwischen dem Franz Rosenzweig Minerva Research Center und dem Deutschen Literaturarchiv Marbach werden seit 2015 die historischen Archivbestände der Hebräischen Universität Jerusalem erschlossen. 1918 als internationale Hochschule ins Leben gerufen, wurde die Hebräische Universität zum intellektuellen Zentrum für Studierende und Lehrende aus aller Welt. An der offiziellen Eröffnung der Universität 1925 beteiligten sich bedeutende Gelehrte wie Albert Einstein, Martin Buber, Chaim Nachman Bialik und Chaim Weizmann. Nach 1933 wurde die Hebräische Universität zur wissenschaftlichen Zufluchtsstätte für zahlreiche Emigranten. Die internationale Ausrichtung der Universität und ihrer Angehörigen spiegelt sich in der Mehrsprachigkeit der Archivbestände, die einen hohen deutschsprachigen Anteil aufweisen.

Trotz der großen wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Bedeutung der Hebräischen Universität vor der Staatsgründung Israels 1948 sind die umfangreichen Bestände der Universität bis heute weitgehend unerschlossen und für die internationale Forschung noch kaum zugänglich. Bisher sind die Bestände nur rudimentär und ausschließlich auf Hebräisch verzeichnet. Zum Ende des Projektes wird eine Online-Präsentation von Kernbeständen die Archive der Hebräischen Universität für die Zeit 1918-1948 für die internationale Forschung öffnen.

Das Archiv bildet so eine wichtige Materialgrundlage für die Erforschung des Verhältnisses von Wissenschaft und Politik im Allgemeinen und der Rolle deutsch-jüdischer Emigranten für Forschung und Lehre an der Hebräischen Universität im Besonderen. Darüber hinaus geben die Bestände Aufschluss über zahlreiche Aspekte universitärer und außeruniversitärer Diplomatie und dokumentieren in zahlreichen Akten der Universitätsadministration die Rolle der Universität im Prozess des Nation Building. Die hohe Relevanz der Bestände für die internationale, interdisziplinäre Forschung ergibt sich nicht zuletzt aus der Bedeutung einzelner Professoren und Universitätsangehöriger für ihr Fachgebiet, um mit Samuel Hugo Bergman, Julius Guttmann, Leo Picard und Richard Koebner nur einige zu nennen.